Diversität bedeutet

Auf linkedIn und anderen Medienseiten erscheinen ständig Artikel mit beispielsweise folgenden Überschriften:

„Zu männliche Eigenschaften schaden einer Frauenkarriere“

„Frauen müssen den Spagat schaffen – ein flexibles Verhaltensrepertoire ist wichtig“

Oder auch:

„Warum fähige Frauen hinter unfähigen Männern zurückbleiben“

Auch gefunden: Ein Training zum Thema Company Culture & Gender. Dabei wird aufgezeigt, wie unterschiedlich Frauen und Männer sind. Was uns natürlich echt weiterbringt, diese „Frauen sind von der Venus, Männer vom Mars“ – Haltung. Im Sinne von: Wir sind so verschieden; seht doch nur genau hin. Wenn ich ein Mann wäre, würde ich so und so agieren, als Frau würde ich das in dieser Art und Weise machen.. – glaubt das wirklich irgendwer??? Heute, 2019?

In derartigen Trainings und Workshops wird darüber gesprochen wie man besser mit dem „anderen Geschlecht“ umgehen kann. Damit werden stereotype Vorstellungen davon, wie Männer und Frauen „sind“,einzementiert. Das „Learning“ dieser Zugänge ist es, Unterschiede zwischen Frauen und Männern zu sehen um darauf reagieren zu können; im Sinne von: Es ist fix, wir werden uns nie verstehen, wir sind uns fremd. Aber wenn wir doch miteinander zu tun haben, sollten wir ein bisschen die Sprache des Anderen kennen. Diese „Sprache“ wird so gelernt und angewandt, als würde man in ein fremdes Land auf Urlaub fahren: Wenn ich dann dort bin – in der „Männer-Welt“ oder in der „Frauen-Welt“, finde ich mich zurecht, bin vielleicht sogar interessiert daran, neue oder andere Sichtweisen zu erfahren, stelle dann aber jedenfalls fest, dass es da wenig Gemeinsamkeiten gibt und fahre wieder nach Hause. Und – analog: bei Besuch aus dem fremden Land (zB Frauen die sich in die Männerdomäne Technik wagen): wenn sich der Besuch gut integriert, dann geht das vielleicht auch eine Zeitlang ganz gut, doch dann sind wir doch wieder froh wenn „die da“ nach Hause fahren.

Bei all diesen Ansätzen geht es nie um echte Wertschätzung, nie um das Akzeptieren von Unterschiedlichkeit, nie um Interesse, Neugier, Austausch; sondern immer nur darum, Unterschiede zu erkennen, zu benennen und die Bestätigung des Ohnehin-Schon-Gewussten zu suchen.

Genau so funktioniert es eben nicht.

Das Leben ist kein Urlaub, keine Reise von der „Männer-Welt“ in die „Frauen-Welt“ und umgekehrt. Es ist unsere Welt, wir leben hier gemeinsam und langfristig. Wenn man genau hinsieht, bestehen zwischen unterschiedlichen Menschen sehr viel mehr Gemeinsamkeiten als gedacht: wie wir unsere Tage verbringen wollen, was uns wichtig ist; wo, wann und wie wir gerne arbeiten; was uns wütend macht; was wir gerne haben; wie wir an ein Problem herangehen. Nur auf den ersten Blick – und vor allem auch, weil wir immer noch daran glauben und auch noch Seminare dazu besuchen, die unsere Meinung verfestigen – bestehen Unterschiede insbesondere zwischen den Geschlechtern.

Diversität bedeutet einander herausfordern. Es bedeutet, sich darauf einzulassen, dass jeder Mensch anders ist. Es bedeutet auch, zu verstehen, dass ich vielleicht immer nur einen Teil des Problems gesehen habe oder aufgrund meiner Sozialisation bestimmte Aspekte ausgeblendet habe. Und dass es gut ist, wenn Menschen unterschiedlich sind.

Unterschiedlichkeit wertschätzen, und Gemeinsamkeiten suchen – das ist meine Devise zum Thema Gender und Diversität.

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