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Play the game. Oder: Warum ich glaube dass Firmen, die herkömmliches Recruiting betreiben, in den nächsten Jahren ein Problem bekommen werden.

Neulich auf einer Veranstaltung erklärt die Personalistin eines großen Beratungsunternehmens, wie potenzielle Kandidat*innen ihr Bewerber*innenprofil auf allen Social Media-Kanälen schärfen können. Aktivität ist da ein Schlagwort – also präsent sein, immer wieder etwas Neues, Interessantes posten. Aber auch Aktualität – also nicht den letzten Post von vor 9 Monaten drinnen lassen und danach keine neuen Einträge mehr. Und natürlich: Kohärenz. Passend zum Bewerber*innen-Profil. „Wenn ich auf der einer Plattform lese, Sie können X,  und auf der anderen Y, und dann vielleicht auf der Dritten noch etwas Anderes; dann frag ich mich: Was denn nun?“… – die abwertende Handbewegung ist inkludiert. Ja bitte, liebe Bewerber*innen, macht es den Recruiter*innen leicht! Sucht euch ein paar „Keywords“ (Originalwortlaut) und kreiert eine Story um diese herum. Eine Story die zu Euch passt natürlich, authentisch soll sie sein, aber eben: nicht zu viel, nicht zu wenig, eine schöne konsistente Präsentation des Bewerber*innen-Ichs. Damit! Ihr! Leichter! Gefunden! Werdet!

Die Idee, aus einem Pool von Kandidat*innen den*die perfekte*n Mitarbeiter*in herauszufiltern, folgt einem sehr hierarchischen Recruiting-Prinzip: Das Unternehmen stellt eine „Stelle“ zur Verfügung; die Kandidat*innen „putzen sich“ entsprechend auf um zu gefallen, und das Unternehmen wählt die*den Beste*n aus.

Mit Authentizität hat das wenig zu tun. Der „Perfect Fit“ zwischen der ausgeschriebenen Stelle und dem*der Kandidat*in steht im Vordergrund. Perfekt zu sein heißt also genau so zu sein, wie es dem Unternehmen „passt“. Abgesehen davon dass alle Studien zum Thema Innovation genau das Gegenteil zeigen, nämlich dass gerade Querdenker*innen, Menschen die herausfordern, Personen die sich trauen auch einmal gegen den Mainstream zu schwimmen, Unternehmen vorantreiben: Glaubt ihr wirklich, liebe Unternehmen, dass junge Menschen heute so funktionieren? Dass sie sich anpassen, für eine*n Arbeitgeber*in perfekt darstellen, ihre Social Media Kanäle dahingehend ausrichten wollen? Geht es nicht eher darum, sich mit Menschen, die ein grundsätzliches Interesse und die allerwichtigsten Kompetenzen (und damit meine ich nicht die 20+ Wunschkompetenzen, sondern tatsächlich nur die 2-3 die für einen Job tatsächlich relevant sind) mitbringen zusammen zu setzen und zu überlegen wie man gut zusammen arbeiten kann? Wie man Bedingungen schafft, die für alle Beteiligten passen? Und gleichzeitig Diversität und unterschiedliche Lebenskonzepte wertschätzt?

#Recruiting auf Augenhöhe. Das würde ich mir wünschen.

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