ein Stereotyp

Kill all women mentoring programs.
Kill all girls’ days.
Kill all women-only initiatives in business.

Frauen sollen also gestärkt, begleitet und unterstützt werden. Sie sollen ge-mentored und auf ihrem Weg begleitet werden. Warum ich diese Sichtweise nicht unterstütze und glaube, dass sie zu einer starken Re-Stereoyptisierung führt:

  • Frau kann offenbar etwas nicht gut.

Wir glauben, Frauen „brauchen“ ein Mentoring-Programm. Wir zeigen damit, dass Frauen etwas fehlt, dass sie sich etwas speziell aneignen müssen, was andere (= Männer) bereits haben. Dabei sind offenbar auch alle Frauen gleich. Frau=Frau. Unabhängig von Vorbildung, Biographie, Fachwissen etc. werden Frauen somit in einem Topf geworfen.

Das ist eine ziemlich eingeschränkte Sichtweise auf Individuen. Attribute wie eine Frau „ist“;

Charakteristika wie sie sich „verhält“; und Rollen die „passend“ sind enthalten somit stereotype Vorstellungen davon, wer was kann, darf und soll.

Ein Stereotyp beschränkt die Möglichkeiten bestimmter Personen und Personengruppen, gleichwertig an Entscheidungen teilnehmen zu können – das steht fest.

  • Frau darf das aber natürlich machen.

Jetzt wird es interessant. Mit einem Mentoring-Programm oder einem Spezialprogramm für Mädchen / Frauen schienen wir ja zu sagen: Frauen dürfen das natürlich, ja, sie sollen sogar! Exklusions- bzw. Inklusionsmechanismen wirken jedoch viel tiefer als auf den ersten Blick. Zu sagen „ich unterstütze jede Frau die Karriere machen will“ impliziert, dass es eine Unterstützung braucht. Es impliziert, dass es nicht „normal“, sondern ungewöhnlich ist.

Wenden wir diese Dinge im täglichen Leben an, werden sie zu normalen Praxen die wir nicht mehr hinterfragen. Paradoxerweise erscheint es heute normal ein Programm für Frauen zu entwickeln, obwohl es mit einer „normalen“ Karriereentwicklung nichts mehr zu tun hat. Erst wenn es nicht mehr unterstützt, hinterfragt, beurteilt und bewertet werden muss, erst wenn tatsächlich alle Personen die gleichen Teilhabechancen an Karriere und Entscheidungen haben – dann ist es normal.

  • Frau soll sich von jemand zeigen/erklären lassen, wie es geht.

Mentoring-Programme sind auf persönlicher – und damit oft auch auf individueller Karriereentwicklungs- – Ebene extrem wirksame und tolle Programme: Eine Person wird von einer anderen – meist erfahreneren – Person unterstützt und begleitet.

Fakt ist: Sehr viele Menschen lernen gut in face-to-face Settings. Sie profitieren von Erfahrungen der Anderen, von echtem Austausch, von Hands-on Hilfe, vom Sich-Einlassen auf die eigene Lebens- und Arbeitssituation. Das macht Lernen aus, das macht Support aus, das macht Wertschätzung aus.

Aber ist es notwendig, speziell Frauen zu „zeigen“ wie etwas geht? Nur und ausschließlich Frauen? Und was bringt ein Women-Mentoring Programm überhaupt tatsächlich und gesamtgesellschaftlich? All diese Initiativen haben nicht dazu geführt, dass wir mehr Frauen in Führungspositionen oder etwa mehr Mädchen in technisch- bzw. naturwissenschaftlichen Ausbildungswegen wiederfinden.

 

Wenn alle Menschen etwas dürfen, können und sollen; dann braucht es Strukturen und Prozesse, die alle unterstützen.

Und nicht „Förderprogramme“ für eine spezifischen Gruppe, von der wir erneut annehmen, dass all ihre Mitglieder die gleichen Bedürfnisse haben und das Gleiche brauchen.

Fazit:

Ein Stereotyp beschränkt die Möglichkeiten bestimmter Personen und Personengruppen, gleichwertig an Entscheidungen teilnehmen zu können.

Ein Women Mentoring Programm* // ein Girls‘ day // ein Töchtertag // ein „Frauenprogramm“ beschränkt die Möglichkeiten bestimmter Personen und Personengruppen, gleichwertig an Entscheidungen teilnehmen zu können.

Hören wir damit auf.

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