GutesKommtvonInnen

Meine jüngste Tochter im Auto: „Wieso sagen die im Radio eigentlich immer Geisterfahrer? Die können ja gar nicht sehen, dass es ein Mann ist!“. Genau. Geisterfahrer*innen sind nicht immer männlich, Chefs auch nicht, Ärzt*innen schon lange nicht mehr. Lehrer*innen sind keineswegs nur Frauen und und und. Alles schon gehört.

In einem Workshop dauert es meist zwischen 2 und 28 Minuten bis ich die anwesenden Personen davon überzeugt habe, dass Sprache wichtig ist. Im Alltag begegnen mir gleichzeitig jeden Tag Argumente, warum eine gendersensible Sprache nicht notwendig oder sinnvoll ist, den Sprachfluss stört, ohnehin ja immer alle „mitgemeint“  sind und man nicht so ein Theater machen soll, und und und.

Vor kurzem habe ich folgenden einleitenden Satz zu einem Text/Blog gelesen:

„Formulierungen meinen immer beide Geschlechter“

???

  • Zuallererst: Formulierungen können nicht „meinen“.  Formulierungen haben keine Meinung, sondern Formulierungen drücken eine Meinung aus. Und die lässt sich dann nicht wieder wegnehmen, indem man sagt, „meine Formulierung meint eigentlich etwas anderes“. Mein Tipp: Einfach eine andere Formulierung wählen.
  • Beide Geschlechter. Ja, eh. Beide. Beide Geschlechter ist eine Diskussionsbasis. Es handelt sich dabei aber ebensowenig um einen inklusiven Ansatz wie beim Binnen-I. Es gibt genügend Menschen, die sich nicht einem Geschlecht zuordnen wollen oder können oder es ganz einfach nicht tun. Das ist wichtig, richtig, legitim, großartig, und sinnvoll. Darum: gleich ordentlich gendern. Und vor allem: nicht daran glauben, dass man inklusiv agiert, wenn man bipolar argumentiert. DANKE.
  • Die Einleitung zu der oben genannte Aussage war übrigens: „Weil es mir wichtig ist.“ Also: „Weil es mir wichtig ist: Formulierungen meinen immer beide Geschlechter.“ Dazu kann ich nur mehr sagen: Glaubt kein Mensch. Wenn etwas wichtig ist: Einfach tun. Wenn es nicht wichtig ist: zumindest zur eigenen Ignoranz stehen und nicht Gegenteiliges behaupten.

Zu guter Letzt noch ein Aufruf: Liebe Medien! — also ihr alle da draußen die ihr gesellschaftskritisch, wertschätzend und offen über das Leben schreibt, ihr lieben Chefredakteur*innen von Falter, VICE, Standard, Biber — Bitte fasst euch doch ein Herz und gebt in der nächsten Redaktionssitzung ein Commitment zum Thema inklusive Sprache ab! Das würde tatsächlich und nachhaltig etwas verändern. Sprache schafft nämlich soziale Realität. Und sicht- und lesbare umso mehr.

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