Schwerkraft_Blog

Neulich auf einer Veranstaltung: Mann, um die 60, sagt zu mir

„Ahhh – Sie sind also die Gender-Expertin!
Also ich sag Ihnen gleich, ich glaube nicht an Quoten und ich verwende nicht das Binnen-I oder so.
Überzeugen Sie mich!“

Vorausschicken möchte ich an dieser Stelle:  Ich glaube nicht an die Schwerkraft. Das ist so, wirklich. Also stimmt natürlich, dass es dazu bereits Untersuchungen gibt, aber – naja – man weiß ja, wie das ist in der Wissenschaft ist –  je nachdem wer diese Untersuchungen gemacht hat…

Empirisch, sicher, hab ich das schon einige Male erlebt, das mit der Schwerkraft, aber so sicher bin ich mir da nicht. Also ich erlebe das anders.

KLINGT KOMiSCH? Natürlich! Die Schwerkraft ist ein Fakt der unser tagtägliches Leben beeinflusst. Und Gender auch.

Wir denken über beides zu wenig nach.

Gender ist eine Querschnittsmaterie, nicht ein add-on, mit dem man sich „zusätzlich“ beschäftigen muss. Gender spielt eine Rolle in jeder einzelnen Interaktion zwischen Menschen, und auch zwischen Menschen und Institutionen. Die Art und Weise wie wir uns gegenseitig wahrnehmen, ansprechen, be- und verurteilen, was wir uns als Frauen* und Männer* selbst und gegenseitig zutrauen, etc, – das hat alles mit Geschlechterrollen und -stereotypen zu tun.

Im Gegensatz zu anderen Wissenschaften verfolgen Gender Studies  nicht nur einen investigativen, überprüfenden Ansatz, sondern verknüpfen diesen mit Aktionismus, leiten  politische Forderungen daraus ab. Was von manchen kritisch betrachtet wird, macht für mich den Kern wissenschaftlicher Relevanz aus: Fundierte theoretische und empirische Erkenntnisse der Gesellschaft zugänglich machen und gemeinsam an Verbesserungen arbeiten.

Nicht an Erkenntnisse der Gender-Forschung „glauben“ ist natürlich ein Weg.

Meine Antwort auf besagter Veranstaltung: Ich habe gelacht. Dann bin ich an einen anderen Tisch gegangen um mich mit anderen Personen zu unterhalten. Es war ein sehr netter Abend.

Was ich damit sagen will: Ich muss niemand überzeugen. Die Fakten über den Zusammenhang von Sprache und Geschlecht; oder über die Notwendigkeit von Zielsetzungen im Arbeitsumfeld liegen bereits lange am Tisch. Meine Arbeit beginnt dort, wo das nicht mehr in Frage gestellt wird.

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Bei jeder Anfrage für ein Podium stelle ich die gleichen Fragen: Ist das Podium equality-based ? Gibt es eine Quote für Speaker*innen und Teilnehmer*innen? Was macht ihr um Männer* und Frauen* gleichermaßen für das Event zu begeistern? Wie ist das Event aufgebaut um auf unterschiedliche Bedürfnisse und Lebenskonzepte Rücksicht zu nehmen?
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