Blog_female_only

Ich wurde eingeladen Teil eines Podiums bei einem women*only festival zu sein. Dass es sich um ein bestimmtes Festival handelt, tut nichts zur Sache – es gibt diese Initiativen in vielfältiger Form, national und international. Egal ob es sich um Veranstaltungen zum Thema female future, female entrepreneurship, female leadership, … etc. handelt, sie alle folgen demselben Grundkonzept.

Immer – und wirklich IMMER! – stecken dahinter wahnsinnig tolle Organisatorinnen (innen!) die sich viele Gedanken darüber gemacht haben, ein super durchdachtes Format mit hochkarätigen Speaker*innen (meist innen) aufzubauen. Herzblut, Engagement, persönliches Commitment, wenig Geld, viel Rennerei – einfach nur WOW. Das WOW ist wichtig, denn was jetzt kommt ist harte Kritik an einem Konzept, das von genau diesen WOW-Leuten mit super WOW-Ansätzen gemacht wird und ich würde keine einzige WOW-Person missen wollen.

Aber hier beginnt mein Drama.

Bei jeder Anfrage für ein Podium stelle ich die gleichen Fragen:

–  Ist das Podium equality-based (zumindest 50/50)?

–  Gibt es eine Quote für Speaker*innen und Teilnehmer*innen?

–  Was macht ihr um Männer* und Frauen* gleichermaßen für das Event zu begeistern?

–  Wie ist das Event aufgebaut um auf unterschiedliche Bedürfnisse und Lebenskonzepte Rücksicht zu nehmen?

Und so weiter und so fort.

Bei den female festivals ist es dann natürlich so dass mir erklärt wird, dass es sich um eine women*only – Veranstaltung handelt. Das Ziel: Frauen* vernetzen. Eine Plattform für Frauen* bieten. Frauen* auf die Bühne holen.  Frauen* dazu bringen, ohne Sorgen, Angst und Hemmungen miteinander zu reden.

Das alles finde ich gut; aber bitte ersetzen wir doch Frauen durch Menschen:

Menschen* vernetzen. Eine Plattform für Menschen* bieten. Menschen* auf die Bühne holen.  Menschen* dazu bringen, ohne Sorgen, Angst und Hemmungen miteinander zu reden.

Wenn man all die Grundregeln, die man über die female-only Veranstaltungen legt – und das sind nahezu IMMER

1. Hohe Wertschätzung von Person und Job meines Gegenübers
2. Respektvoller Umgang mit allen Beteiligten
3. Spaß und Offenheit
4. Hohe Professionalität und der Anspruch, qualitativ hochwertig zu arbeiten, zu diskutieren und sich aufeinander einzulassen

– wenn man also all diese Aspekte in einen inklusiveren Rahmen bettet, darauf achtet dass sie eingehalten werden und das Publikum so divers wie möglich ist, wäre das nicht das was wir unter einem feministischen Zugang verstehen? Wäre nicht genau das der gemeinsame Weg?

PS: Noch eine letzte Bemerkung: Oft gibt es dann einzelne Männer* bei „Frauen*veranstaltungen“ die eingeladen wurden. Feministen*. Solche, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Und die dann am Podium sitzen und den anwesenden Frauen den Stand der Dinge in Sachen Ökonomie, Soziologie, Digitalisierung, etc. erklären. Häh? … war da nicht etwas, wogegen wir kämpfen wollten? Etwas mit Hierarchie und Männern* die Frauen* die Welt erklären? Wir holen sie aufs Podium und lassen sie nicht teilhaben?

Bitte.Überlegen.Wir.Uns.Das.Nochmals!

Die folgenden Blogs könnten dich auch interessieren:

Teilen: